Fairtrade Zertifizierung erfolgreich bestanden

 

FLO Auditor Josef Wasem hat im Auftrag von Max Havelaar und FLO Cert ein Audit bei derkaffee durchgeführt. Es freut uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass derkaffee das Fairtrade Audit ohne Regelabweichung bestanden hat.

 

 

 

Hier können Sie das Zertifikat herunterladen. Wer sich ein genaues Bild über ein FLO Cert Audit machen möchte, kann detaillierte Informationen dem nachfolgenden Interview mit Daniel Sutter, Röstmeister bei derkaffee, entnehmen. Daniel Sutter nimmt auch Stellung zu kritischen Fragen. Wurde doch Fairtrade in der Vergangenheit, gerade von einigen Kleinröstereien, sehr verunglimpft. 

 

 
Bilder: Kaffeebauern im Gebiet Jarabacoa Dom. Republik

 

Interview mit Daniel Sutter Röstmeister von derkaffee GmbH:

Christine Schürch CS:

Daniel Sutter, warum muss die Rösterei derkaffee durch FloCert auditiert werden?

 

Daniel Sutter DS:

Die Rösterei hat einen Nutzungsvertrag mit Max Havelaar MH abgeschlossen. Wir dürfen die Marke MH unter strengen Auflagen nutzen. Das Logo MH auf unserer Verpackung zeigt, dass 100% des verwendeten Rohkaffees beim Kaffeebauer zusätzlich zum Rohkaffeepreis mit einer Fairtradeprämie vergütet wird. Dies wird durch eine unabhängige Institution beim Kaffeebauer, beim Händler (Importeur des Kaffees) und natürlich beim Verarbeiter, also bei uns, kontrolliert. MH hat für diese Kontrolle Flo Cert aus Bonn beauftragt. Diese wiederum arbeitet in der Schweiz zusammen mit Bio Inspecta aus Frick. Damit wir die Marke MH benutzen dürfen, bezahlen wir an MH pro Kilogramm Rohkaffee 32 Rappen pro Kilo Nutzungsgebühr. Die Verarbeitungszahlen melden wir Semesterweise an MH und bezahlen die von uns deklarierte Rohkaffeemenge. Der Auditor muss nun sicherstellen, dass wir wirklich Fairtrade gehandelten Rohkaffee verwenden und natürlich die korrekte Menge an MH gemeldet haben. Hierzu findet alle 3 Jahre ein Audit statt.

 

CS: Wird das Audit angemeldet?

 

DS: Weil es für derkaffee das Erstaudit war, wurde es angemeldet. Weitere Kontrollen können jedoch unangemeldet erfolgen.

 

CS: Was wird kontrolliert?

 

DS: Der gesamte Warenfluss. Fairtrade Kaffee ist vollständig rückverfolgbar. Dies beginnt natürlich beim Kaffeebauer, welcher mit einer zertifizierten Cooperative zusammen arbeitet. Diese wird vor Ort durch einen zuständigen Inspektor begleitet. Es kann sein, dass derselbe Inspektor die Kaffeeebauern mehrere Jahre begleitet und diese in die Produktion von Biokaffee einführt. Dann exportiert die Cooperative den Kaffee nach Europa, meistens Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg. Hier wird er korrekt zwischengelagert und dann zu derkaffee transportiert. Die eingekaufte Menge Rohkaffee wird nun mit der Röstliste und den Verkaufslieferscheinen verglichen. Es spricht für sich, dass der in einer gewissen Zeitspanne verkaufte Kaffee mit der Röstliste und mit dem Rohkaffeeinkauf übereinstimmen muss. Um eine Kontrolle mit einem vertretbaren Aufwand zu ermöglichen, hat derkaffee ein Fairtrade Tool programmieren lassen, welches auf Knopfdruck sämtliche Bestellungen im Shop auswertet und einen Mengenfluss darstellt. Dann wird natürlich auch die ganze Verarbeitung kontrolliert. Wie wird Fairtrade Kaffee gelagert, kann er mit nicht fairtrade verwechselt werden, wie wird er geröstet und wie werden die Maschinen gereinigt, um eine Verunreinigung von fairtrade Kaffee mit nichtfairtade Kaffee zu verunmöglichen. Es sind in etwa die selben Kontrollmechanismen, welche auch für die Biozertifizierung angewendet werden. Natürlich wird die gesamte Produktions und Verarbeitungskette zertifiziert. Es ist für uns sehr aufwändig, aber natürlich auch zwingend notwendig, da schlussendlich der Kunde für ein Fairtrade Produkt auch mehr bezahlt und sicher sein möchte, dass der Kaffeebauer davon profitiert.

 

CS: Was ganz konkret bringt es dem Kaffeebauer oder der Pflückerin, wenn auf dem derkaffee Sack Fairtrade steht?

 

DS: Konkret erhält der Kaffeebauer einen Mindestpreis für seinen Rohkaffee. Gerade heute ist die Kaffeebörse für konventionellen Rohkaffee bei 1.41 Dlolarcent pro Libra. Das sind ca 3.05 Fr. pro Kilogramm, geliefert FOB (free on board) und entspricht gerade dem Mindestpreis. Dazu kommt nun ein Fairtrade Zuschlag von ca 45 Rp. pro Kilogramm. Wir kaufen nur Bio, das bedeutet einen weiteren Zuschlag von 30 bis 50 Rappen pro Kilogramm. Somit kommt heute ein Kaffeebauer für durchschnittlichen Bio und Fairtradekaffee auf ca 4 Franken pro Kilogramm geliefert FOB.

 

Für Fairtradekaffee beträgt der Mindestpreis 140 Dollarcent pro Libra. Auch wenn die Börse deutlich darunter liegt, muss mindestends 140 bezahlt werden. Somit kann der Bauer also mit ca Fr. 4.- pro Kilogramm für FTO Kaffee rechnen. Leider liegt die Börse oft darunter und sämtliche Bauern ohne Fairtrade System stehen dann im Markt und müssen den Kaffee zu einem sehr schlechten Preis abgeben. Lagern können sie den Kaffee in den tropischen Gebieten nicht und das wissen die Händler.

 

Mit Fairtrade hat der Bauer somit eine Sicherheit, dass er für den Kaffee auch einen Mindestpreis erhält. Zudem wird er für den Kaffeeanbau zu einem Teil bereits vor der Lieferung bezahlt. Der Bauer hat nämlich nicht soviel Geld, um ein ganzes Jahr vor zu finanzieren.

 

Nun kommt die Qualität des Kaffees dazu. Diese wird natürlich zusätzlich vergütet. derkaffee bezahlt oft für sehr guten FTO Kaffee zwischen 7 bis 9.50 Fr. pro Kilogramm. Dazu besuchen wir die meisten Produzenten persönlich, schauen also ganz konkret, wer da pflückt, wie mit den Pflückerinnen umgegangen wird, wie die Fairtrade Prämien eingesetzt werden, wer wie lange beschäftigt wird etc. Hier ist uns sehr wichtig, dass wir nicht nur einmal einkaufen. Es nützt den Bauern nichts, wenn keine Kontinuität besteht. Der Bauer will sicher sein, dass er den Kaffee auch in den Folgejahren zu einem guten Preis verkaufen kann. Wir garantieren dies und bezahlen für die gute Qualität einen hohen Zuschlag. Dies weiss der Bauer und er wird sich alle nur erdenkliche Mühe geben, die Qualität noch mehr zu steigern. Das ist mit ein Grund, dass unsere Kunden seit Jahren dieselben Kaffees in unserem derkaffeeshop finden.

Zusätzlich wird mit dem Fairtradesystem und den Prämien vor Ort in die Bildung und in die Infrastruktur investiert, Hier gibt es sehr viele Informationen bei www.maxhavelaar.ch.

 

CS: Warum gibt es dann mehrere Studien, welche Fairtrade in Frage stellen?

 

DS: Das ist natürlich eine Frage der Betrachtungsweise und der Einstellung. Ein Hauptgrund war, dass in einigen Studien die Pflückerinnen nach dem Stundenlohn befragt wurden. Das Resultat war ganz klar: Viele Pflückerinnen in einer konventionellen Farm verdienten mehr als bei einer Fairtade Organic Farm. Das sieht in jeder Graphik natürlich schlecht aus und bringt Boulevard Potential. Fragt man dann, wie lange die konventionellen Farmer die Pflückerinnen beschäftigen und wie die Kündigungsbedingungen aussehen, sieht die Graphik ganz anders aus. Oft werden die Fairtrade Pflücker das ganze Jahr durch beschäftigt. Die Schattenbäume pflegen, neue Pflanzen setzen etc. Wäre also die Vergleichsgrösse das Jahressalär gewesen, die Arbeitsbedingungen seriös verglichen worden etc, sieht das ganz anders aus. Dann gab es kritische Fragen zum Mengenausgleich. derkaffee bietet seinen Kunden Zuckersticks mit FT Rohrzucker an. Dieser Zucker wird in einem Kontainer transportiert, in dem sich Fairtrade Zucker und nicht Fairtrade Zucker befindet. Das ermöglicht einem kleinen Bauern die Lieferung von einer geringen Menge  FT Zucker nach Europa. Schlussendlich wird er mengenmässig bei uns wieder aufgeteilt. Wichtig ist dann nur, dass die richtige Menge FT Zucker abgefüllt wird. Dies wird natürlich kontrolliert. Aber auch hier kann natürlich in einer Studie geschrieben werden, dass sich in einem Zuckerstick mit FT Logo gar kein FT Zucker befindet, was demnach stimmen kann und trotzdem also Unsinn ist.

 

derkaffee unterstützt alle Bemühungen, welche den Bauern und den Pflückerinnen ein besseres Leben ermöglicht. Wir stehen hinter dem Fairtrade Logo. Natürlich kann noch Vieles verbessert werden. Wir wären sehr froh, wenn die FT Prämie weiter erhöht würde. Dies könnte aber grössere Marktteilnehmer davon abhalten, FT Kaffee anzubieten. Das würde wiederum den Bauern nicht wirklich helfen. Heute wächst der Konsum von FT Lebensmittel stetig und somit steigen auch die FT Prämien, welche den Bauern die Existenz sichern.


 

 

 

 

 



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