März 2015: Pilz bedroht Kaffeeplantagen, unser Reisebericht

Christine Schürch und Daniel Sutter bei den Kaffeebauern in Jarabacoa Dominikanische Republik

Ein Reisebericht über den Kaffeeeinkauf, die grosse Herausforderung La Roya (Pilzkrankheit) sowie unser Sponsoring der Doulos Discovery School

 

 

Auf dem Hochplateau steigen wir aus und geniessen die atemberaubende Aussicht über die Cordillera Central. Noch wiegen wir uns in der Gewissheit, dass der Weg voller Schlaglöcher uns nach Arroyo del Norte führt. Es geht steil hinunter in ein enges Tal. Bei einem Haus halten wir an und erfahren, dass dieser Weg nach Arroyo führt. Also fahren wir weiter.

In der Talsohle stehen wir vor einem schäumenden Bachbett und unser Verdacht wird zur Gewissheit: wir haben uns verfahren. Allein das Manöver um das Auto zu drehen erfordert Kühnheit, vom Weg zurück auf das Hochplateau wollen wir gar nicht reden. Nur so viel: Dank Erfahrung in Sachen Fahrtechnik auf verschneiten Strassen schafft es der Röstmeister, auf dem mit Kies bedeckten Pfad, mit viel Schwung wieder nach oben zu gelangen.

Zurück auf einer Strasse, welche auf Landkarte eingezeichnet ist, finden wir den richtigen Abzweiger und bald erkennen wir die Dörfer und Landschaft von der letzten Reise wieder. Wir erreichen Jarabacoa, wo uns Eddy Ramirez erwartet. Bei einer Tasse Kaffee tauschen wir Neuigkeiten aus, denn wir haben uns 2 Jahre nicht gesehen und es gibt Einiges zu erzählen. Leider nicht nur Erfreuliches: Die Kaffeepflanzen auf der Insel sind krank. Bereits vor zwei Jahren tauchten erste Anzeichen der Pilzkrankheit „Roya“ (Hemileia vastatrix, oder auch Kaffeerost) auf der Insel auf. Bei der Ernte 2014/2015 fallen 70% der Produktion der Krankheit zum Opfer.

 

 

 

Vom Pilz befallene Kaffeepflanzen verlieren alle Blätter und damit die Kraft  Kaffeekrischen hervorzubringen. Die Bauern kämpfen ums Überleben. Wer kann diversifiziert seinen Betrieb. Neben Kaffee wird Tayota (eine Art Kürbis) angebaut, Bananen bereichern das Sortiment und Hühner (Freiland unter Kaffeesträuchern!) halten Einzug in die Fincas. Die Bekämpfung der Pilzkrankheit gestaltet sich schwierig. Wer biologischen Kaffee anbaut, darf zwar ein kupferhaltiges Mittel einsetzen aber die Wirkung ist bescheiden. Da es jeden Tag einmal heftig regnet kann das Mittel kaum effizient appliziert werden und die meisten Kleinbauern haben nicht die finanziellen Mittel um das Produkt zu kaufen. Also sucht man nach anderen Wegen. Die Schattenbäume werden zurückgeschnitten, die Bestände der Fincas werden verjüngt, es wird so gut wie möglich Dünger ausgebracht und die Kooperative beeilt sich Jungpflanzen der Sorte „Katimor“ zu ziehen. Mit dieser Pilz-resistenteren Kaffeesorte haben Kaffeebauern in Mittel und Südamerika in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht. Wie sie sich bewährt wird sich jedoch erst in drei Jahren zeigen. Dann erst können die Bauern in Jarabacoa die erste Ernte erwarten.

 


 

Damit wir uns ein eigenes Bild von der Situation machen können, leiht Eddy Ramirez uns seinen Geländewagen mit dem wir drei Fincas besuchen. Nach unserem „Abstecher“ überlassen wir für diese Erkundungen sehr gerne das Steuer einem ortskundigen Fahrer. José Ramón, der Agroingenieur der Kooperative fährt mit uns aus der Stadt heraus und hält auf dem Weg zur Finca Los Marranitos mehrmals an um uns die Skelette von Kaffeesträuchern unter den Schattenbäumen aus der Nähe zu zeigen. Das Bild ist desolat. Wir ahnen wie gross der Aufwand sein muss um die wenigen Kirschen zu ernten, die hier noch wachsen und welche Arbeit den Bauern bevorsteht um die Fincas vor dem Untergang zu bewahren.

 

 

 

Los Marranitos ist eine der am Höchsten gelegenen Fincas. Hier sind die Kaffeesträucher weniger befallen und wir freuen uns über die Äste, welche Kirschen in allen Reifestadien tragen. Am Ende einer ausgewaschenen Naturstrasse treffen wir dann Don Melito. Er bewirtschaftet mit seiner Familie eine kleine Finca auf etwa 1300müM. Auch hier sind die Sträucher teilweise kahl, je höher wir aber wandern umso besser wird es auch an diesem Hang. Wir sammeln Blätter von gesunden und kranken Sträuchern und lassen uns von José Ramón und Melito die verschiedenen Stadien des Befalls erklären. Auf die Frage, wie denn die Qualität der neuen Ernte ausfalle, erklärt Don Melito, dass die gesunden Pflanzen Kirschen trügen, die so aromatisch seien wie eh und je.

 


 

Die Kostprobe der neuen Ernte bestätigt das Urteil von Don Melito. Zusammen mit Eddy machen wir am nächsten Tag ein Cupping. Wir haben Ramirez Kaffee aus der Schweiz (Vorjahresernte) mitgebracht und sein Röstmeister hat den Rohkaffee der  neuen Ernte auf die gleiche Weise geröstet. Wir degustieren konzentriert und kommen alle zum selben Schluss: der Kaffee 2015 ist einwandfrei und genau so aromatisch wie der Ramirez den wir kennen.

Obwohl Eddy dieses Jahr nur drei anstelle von acht Containern Kaffee der höchsten Qualität wird ernten können, möchte er uns weiterhin beliefern.  Wegen der katastrophalen Ernte ist der Rohkaffee natürlich massiv teurer. Wir entschliessen uns  trotzdem wieder davon zu kaufen. Jetzt, wo die Bedingungen für die Biobauern so schwierig sind, wollen wir sie nicht fallen lassen und wir hoffen, dass Sie, liebe Kundinnen und Kunden das gleiche tun würden. Einen Teil der Mehrkosten übernehmen wir. Trotzdem müssen wir den Preis von "Ramirez" erhöhen.

 

 

 

Spirit Mountain, erinnern Sie sich? Unsere limited Edition von der Finca in Angostura de Manabao mit deren Kauf Sie pro 500g immer einen Franken für die Schule vor Ort gespendet haben, besuchen wir am kommenden Tag. Über das Flussbett, welches man vor zwei Jahren mit dem Wagen durchqueren musste, führe inzwischen eine Brücke versichern uns die Bewohnerinnen von Angostura. Da wir ja mit Strassen, die plötzlich aufhören Erfahrung haben, starten wir mutig. Die Brücke steht und sie hält. Wir müssen die Konstruktion des Mietautos etwas strapazieren, aber wir schaffen es beinahe bis vor das Eingangstor zu Spirit Mountain. Celestino, der uns bis anhin immer durch die Finca geführt hat ist inzwischen pensioniert. Unseretwegen kommt er aber auf Besuch und stellt uns David vor, der seine Arbeit übernommen hat. Zusammen gehen wir einige Stunden lang kreuz und quer durch das steile Gelände. Wir lassen uns ihre Strategie im Kampf gegen den Pilz erklären. Celestino und David sind sicher, dass sie auf dem richtigen Weg sind, dass sich die Arabicas langsam erholen und die Jungpflanzen der Sorte Katimor gut wachsen werden. Dieses Jahr können sie uns aber keinen Kaffee mehr verkaufen, denn was sie ernten haben mehrere Restaurants in Texas für den Ausschank bereits reserviert.

 

 

Der Schulleiter von der Spirit Mountain Doulos School hat einen Geburtstagskuchen für seine Tochter in der Hand als wir in strömendem Regen ankommen. Vor einem Jahr hat Mike Zweber zusammen mit seiner Frau Chad und Christa Wallace in der Schulleitung abgelöst.  Weil Pause ist, dürfen wir mit zu den Drittklässlern zum Geburtstagskuchenessen. Mike erklärt den Kindern den Grund unseres Besuches. In rasantem Englisch erzählt er von den Spenden unserer Kundinnen und Kunden für die Schule und die Kinder stellen Fragen auf Englisch als ob sie nie eine andere Sprache gesprochen hätten. Ausser uns scheint niemand zu merken, dass hier eine Fremdsprache gesprochen wird. Beim Gruppenfoto geht es turbulent zu und her, die Kinder wollen nicht „cheese“ rufen, sondern lieber wissen wie man „soccer“ auf Schweizerdeutsch sagt und im Chor wird dann „Schutte“ gebrüllt. Liebe Kundinnen und Kunden, im Namen von der Spirit Mountain Schule danken wir Ihnen ganz herzlich für die zahlreichen Spenden. Seien Sie sicher: die tausend Dollar, welche wir Mike Zweber übergeben haben finden einen sinnvollen Zweck! Wir sind immer noch sehr begeistert von diesem Projekt in den Bergen von Jarabacoa!

 

 

 

Übrigens: Arroyo heisst „Bach“. Wären unsere Spanischkenntnisse so gut wie die Englischkenntnisse der Kinder in der Spirit Mountain Schule, so hätten wir vielleicht gemerkt, dass wir die Leute auf unserer Irrfahrt hätten nach dem vollständigen Dorfnamen „Arroyo del Norte“ fragen sollen….

 



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